Die Tage und Wochen bei meinem neuen Arbeitgeber strichen dahin. Ich fühlte mich durchaus wohl, dort wo ich war. Mein Chef Harald war vorher leitender Angestellter bei Siemens. Die Firma war zwar eine lokale, aber die Tatsache das die Hauptverantwortung bei einem deutschen lag war ein Plus. Es war auch etwas das damals meine Entscheidung bestärkte. . So schrieb ich am 13. März 2008:
Nun friste ich meine Nachtschichten also in dem Helpdesk eines Internet-Providers für Hotels, für den ich arbeite. Die Nächte können recht lang werden, arbeite ich doch immer in 12 Stunden Schichten. Abends gehts gegen 20 Uhr los und endet somit am Morgen um 8. Ein seltsames Gefühl, um 3 Uhr morgens auf die Stadt zu blicken. Alles ist ruhig. Selten fahren dort Autos, wo sonst immer ununterbrochener Verkehr ist. Auf unserem kleinen “Balkon” kann man das irgendwie genießen. Ab und zu mal eine kühle Brise – abhängig von der Wetterlage.
Eigentlich war der Job deutlich unter meiner Qualifikation, aber es war unser Ticket nach Malaysia. Aber ich hatte Glück, schon nach wenigen Monaten wurde mir eine Beförderung angeboten und damit eine Aufgabe, die meinen Fähigkeiten eher angemessen war. Es lief alles perfekt und für kurze Zeit fühlte ich mich regelrecht wie “im Himmel”
Dann kamen Gerüchte auf und sie sollten sich bestätigen:
Am Freitag abend erreichte mich eine Mail eines deutschen Arbeitskollegen, die für große Unruhe gesorgt hat. Als wir den Entschluß faßten nach KL zu ziehen, war der Arbeitsplatz der wichtigste Faktor. Mein Arbeitgeber ist eine 100%ige Tochter des japanischem Mobilfunkriesen NTT DoCoMo. Die Firma selbst, stinkt schon fast vor Geld. Deswegen haben wir auch im Januar unseren größten Konkurrenten mal eben gekauft.
Und weiter…
Unser Haupsitz ist in Singapur, das heißt dort ist die Geschäftsleitung. Große Teile der neuen Firman befinden sich ebenfalls in Singapur. Nun hat man begonnen, bestimmte Abteilungen nach Singapur umzusiedeln. Für uns hier in KL heißt das, das praktische alle Abteilungen nach Singapur gehen. Ausgenommen der Helpdesk und eine andere Abteilung.
Ich war (noch) Teil des Helpdesks, aber die Abteilung in die ich wegen der Befördernung gehen würde, wäre auch in Singapur. Nur war das nun alles obsolet. Diese Veränderung wirkte sich einfach auf alles aus. Das Versprechen, das der Helpdesk in Kuala Lumpur bleiben würde, wurde nicht gehalten. Er sollte auf die Philippinen verlegt werden und man bot mir einen Jahresvertrag dort an. Aber wir hatten gerade ein Auto gekauft, ein Haus gemietet und ein Kind das in den Kindergarten geht. Ein Vertrag über ein Jahr wäre auch nur ein schwacher Trost. Es gab noch eine weitere Möglichkeit – eine Abfindung zu akzeptieren. Das ist es was ich tat, und so hiess es am 25. Mai 2008 “Auf Jobsuche in Kuala Lumpur”.
So kam es also, das wir nach 8 Monaten quasi vor dem Aus standen. Alle Vorplanung hatte nichts gebracht, hatte uns vor so einem Fall nicht schützen können. Kein Job bedeutet auch, keine Erlaubnis im Land bleiben zu dürfen. Der Arbeitgeber zahlte eine Abfindung von etwa 12.000 Euro – auch hier ist der Arbeitnehmer gut geschützt. Wir überschlugen wie lange wir von dieser Reserve überleben können. Eine Arbeitslosen Versicherung oder eine Sozialamt gibt es in Malaysia nicht und wir hatten keinerlei Anrecht auf irgendeine Art von Unterstützung. Meine Priorität war natürlich Jobsuche und man war bereit mein Visum “offen” zu lassen. Es bahnte sich passend ein Training mit der Deutschen Welle an, wo ich dank Dozenten Tätigkeit unsere Lage weiter stabilisieren konnte. Wir waren geschockt, aber wir blieben zuversichtlich. Trotz allem kauften wir ein zweites Auto und unsere Zuversicht sollte sich als Angebracht herausstellen.
Im Juni 2009 hatte ich mein zweites Vorstellungsgespräch und das Ganze sah bereits im Vorfeld vielversrpechend aus:
Nach unseren Trip ins schöne Ipoh, blieb für mich keine Zeit zum ausruhen. Abends komplettierte ich nochmal meine Bewerbungsunterlagen, um am nächsten Tag für mein Vorstellungsgespräch vorbereitet zu sein. Wieder war es eine Firma in Cyberjaya. Sie ist betreiber einer art Broker-Webseite für Währungen. Gesucht wurde ein Senior Linux Administrator. Die Anzeige deutete explizit darauf hin, das man absolut verrückt mit Linux sein müsse. Das paßte zu mir!
Ich mußte einen Einstellungstest absolvieren und tat das mit bravur. Mein neuer Chef war zufrieden und wolle sich bei mir melden, sobald er sich entschieden hatte. Nachdem ich die 40 KM Rückweg nach Hause zurückgelegt hatte, war bereits eine eMail in meinem Postfach. Ich hatte den Job! Wir waren gerettet… erstmal!
Am 30. November 2008 feierten wir 365 Tage in Kuala Lumpur und Michaela schrieb:
Ein Jahr ist um. Nun liegen mehr als 365 Tage Malaysia hinter uns. Eine Zeit, in der Malaysia zu unserer Heimat geworden ist. Die Strassen, Wege bestimmte Orte oder Plätze – alles ist nun langsam vertraut und nicht mehr fremd. Wir haben gelernt, das wir uns den Luxus einer gewissen Zuversichtlichkeit leisten können. Als wir kamen war es ein hoffen, hier
bleiben zu können. Das alles gut geht und nicht irgendwelche Umstände dazu führen, das wir wieder zurück müssen. Nun haben wir schon einige Schwierigkeiten durchlebt und gelernt. Eines sind wir uns auf jedenfall sicher, wir sind glücklich hier. Das Leben ist unkomplizierter, freier. Es ist ein Leben, das genossen werden kann. Damit haben wir ein großes Ziele erreicht!
Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, das unser Weihnachtsfest äußerst angespannt sein würde.
Wir haben eine rechte aufwühlende Zeit hinter uns. Am 15. Dezember, kurz vor Weihnachten, bat mich mein holländischer Chef in sein Büro. Das Gespräch war nicht erfreulich. Er kam sofort zum wesentlichen und teilte mir mit, das er mich kündigen müsse. Ich ware völlig schockiert. Er sprach von der schlechten wirtschaftlichen Lage und dem Verlust von einigen Kunden daheim in Europa, was ihn dazu zwingt so zu handeln. Zwei andere Kollegen erwischte es auch!
Es war also kurz vor Weihnachten und ich war erneut arbeitslos. Diesmal war die Lage erheblich schwieriger, große Rücklagen hatte wir keine mehr und wir hätten eigentlich direkt unsere Abreise planen müssen. Für Tickets und einen Container hätte es vielleicht noch knapp gereicht.
Aber wir wollten nicht aufgeben und setzten alles auf eine Karte. Ich bemühte mich diesmal um einen Job beim AIBD. Ich kannt das Institut durch die Deutsche Welle. Das AIBD leistet Entwicklungshilfe und ist eine lokale Organisation. In den Räumen dieses Instituts habe ich damals Kurse für die Deutsche Welle gegeben und das war auch der Anstoß, der uns nach Malaysia verschlagen hatte. Im Mai hatte ich schonmal nachgehakt, aber die Stelle des IT Leiters war besetzt und es war nicht klar, wann der deutsche Kollege der derzeit auf dieser Position sitzt gehen würde.
Als ich nun bei www.jobstreet.my nach “Linux” Jobs suchte, bin ich über genau diese Stellenausschreibung gestolpert. Ich rief sofort den AIBD Direktor an und schickte meine Unterlagen. Ich hatte Glück, noch vor ende des Jahres hatte ich einen neuen Vertrag! Wir feierten ein unbeschwertes Sylvester.
Der Vertrag lief über 3 Jahre und heute bin ich nun seit 3 1/2 Jahren beim AIBD. Mein Vertrag wurde für weitere 3 Jahre verlängert.
Um nicht noch einmal vor so einer verzweifelten Lage zu stehen, haben wir bereits 2008 eine Firma, Lightspeed Networks, gegründet. Während meine verbleibenden Zeit bei Inter-Touch hatte ich eine Webseite entwickelt – carworld.my. Carworld ist eine Autohandel Plattform ganz ähnlich wie Mobile.de. Heute konzentrieren wir uns bei Lightspeed mehr auf Systembetreuung und fokussieren auf deutsche Kundschaft, die willens ist guten Service auch angemessen zu bezahlen. Die Firma verfügt mittlerweile über ordentlich eingerichtet Geschäftsräume und einen kleinen Kundenstamm. Eine Frage der Zeit, bis ich in der eigenen Firma vollzeit arbeiten werde. Das schöne ist, das auch Ela mitmischen kann. Für sie waren die Jahre doch auch so manches Mal von Langeweile geplagt.
Die letzten Jahre waren nicht so turbulent wie der Anfang, aber Jan wurde kurz vor der Einschulung als Diabetiker Typ 1 diagnostiziert. Ein Schock der uns durch Mark und Bein ging. Zuletzt war es die Schule, die uns schlaflose Nächte bereitete. Aber in diesem Schuljahr gab es einige personelle Veränderungen und wir sind nun sehr glücklich, das unser Kind bei der DSKL (Deutsche Schule Kuala Lumpur) ist.
Das waren also unsere ersten 2000 Tage und wir möchten alle einladen doch mal in unserem Blog etwas zu stöbern. In Zukunft wird hier wieder mehr passieren. Über Kommetare und eMails freuen wir uns immer sehr!
Viele Grüße
Die Familie Banko aus Kuala Lumpur
Am Flughafen erwartete uns eine Überraschung. Mein bester Freund Christian begrüßte uns am Flughafen – er war schon ein paar Jahre zuvor auf do\ie Philippinen ausgewandert und wollte uns in Asien willkommen heißen. Danke Christian!
Aber wir haben uns entschieden, ja ein Eckhaus mit Rasen zum spielen, Stellfläche für min. zwei Autos, 5 Schlafzimmer, einer Küche, einer Wasch- und Kochküche, einem Wohn- und Esszimmer sowie 4 Bäder. Achja und ganz oben auf dem dach ist noch so eine Aart Balkon. Puh wer soll das nur alles sauber halten?(immer der, der fragt?!?) denkste, da hab ich schon eine Idee aber dazu ein anderes mal mehr.
nun kam, war eine Überraschung. Der Fahrer hatte offenbar Probleme die Adress zu finden. Das konnte gelöst werden und der Container traf bei tiefster Dunkelheit ein.





